Es gibt Kunstmessen, die man besucht, und solche, die man erlebt. Die paper positions berlin gehört eindeutig zur zweiten Kategorie – und in ihrer zehnten Ausgabe, die parallel zum Gallery Weekend Berlin stattfand, hat sie sich selbst übertroffen. Die beeindruckende Haupthalle des ikonischen Flughafen Tempelhof, über 2.500 Quadratmeter, bot diesmal die Kulisse für 70 internationale Galerien – und wer auch nur eine Stunde durch diesen lichtdurchfluteten Raum gewandert ist, versteht sofort: Papier ist nicht das bescheidenste aller künstlerischen Medien. Es ist das direkteste. Paperpositions
Besonders auffällig und bewegend war in diesem Jahr die starke Präsenz aus Osteuropa – eine Region, deren Kunstszenen im internationalen Messebetrieb noch immer zu selten sichtbar werden, die aber in Tempelhof mit einer Energie und Tiefe auftraten, die man so schnell nicht vergisst.
Galeria Lotna aus Warschau: Polnische Zeichenkunst auf höchstem Niveau
Unter den Neuzugängen sticht die Galeria Lotna aus Warschau besonders hervor. Die polnische Galerie brachte eine Auswahl an Werken mit, die das Beste der zeitgenössischen polnischen Zeichenszene repräsentierten – präzise, konzeptuell geerdet und gleichzeitig von einer poetischen Offenheit, die den Betrachter einlädt, statt ihn zu überfordern. Künstlerinnen und Künstler wie Michał Misiak mit seinen Aquarellen und Acrylarbeiten auf Papier sowie Mateusz Piestrak mit seiner konzeptuellen Zeichenpraxis zeigten, dass Warschau zu den spannendsten Metropolen der europäischen Papierkunst zählt. Der Stand der Galeria Lotna war einer jener Orte auf der Messe, an dem man einfach stehen blieb – und schaute. Und noch einmal schaute. Kunstleben BerlinPaperpositions
Zuza Dolega: Die Preisträgerin als Hauptdarstellerin
Der emotionale Höhepunkt der diesjährigen paper positions war ohne Zweifel die Sonderausstellung der polnischen Künstlerin Zuza Dolega. Als Gewinnerin des paper positions award 2025 präsentierte sie in einer eigenen Sonderausstellung, unterstützt von der Agentur Kaiserwetter, neue Arbeiten. Paperpositions
Die 1990 im polnischen Gdynia geborene Dolega hat sich auf die traditionelle Pyrographie spezialisiert: Mit Brennstiften erzeugt sie abstrakt-bräunliche Muster auf Papier. Besonders rätselhaft sind ihre Cut-Out-Zeichnungen, bei denen sie sämtliche Wörter aus Buchseiten verbrennt – bis auf kurze Fragmente oder einzelne Begriffe, die wie heimliche Überbleibsel einer Zensurmaßnahme oder eines mystischen Rituals wirken und eine besondere poetische Wucht entfalten. Monopol
In den neuen Arbeiten treibt Dolega diesen Ansatz noch weiter. Das Feuer als Werkzeug, das Papier als Gedächtnis – und das, was übrig bleibt, als eigentliche Botschaft. Kaum ein anderes Werk auf der gesamten Messe hat so viel gesagt, indem es so wenig zeigte. Es ist nicht übertrieben zu sagen: Zuza Dolega ist eine der faszinierendsten Stimmen der zeitgenössischen europäischen Kunst.
Estland und die baltische Perspektive
Unter den 14 vertretenen Ländern war auch Estland mit einer Galerie vertreten – ein Zeichen dafür, dass die paper positions berlin ihre geografischen Antennen konsequent nach Osten ausrichtet. Die baltische Kunstszene bringt eine eigene Sensibilität mit: nüchtern und zugleich von großer emotionaler Dichte, geprägt von einer Auseinandersetzung mit Sprache, Natur und kollektivem Gedächtnis. Auch hier war das Medium Papier nicht Träger, sondern Partner – ein Material, das die Stille ebenso gut trägt wie den Aufschrei. B'SPOQUE magazine
Ein Salongespräch, das Grenzen überwindet
Was die paper positions berlin grundsätzlich von anderen Messen unterscheidet, ist ihr Format: Statt klassischer Kojen setzt sie auf das Format eines kuratierten Kunstsalons – und gerade das macht den Dialog zwischen West und Ost so leichtfüßig möglich. Hier stehen polnische Zeichnungen neben japanischen Tuschearbeiten, Warschauer Konzeptualismus neben Pariser Graphik. Kein Booth, keine Barriere – nur Kunst und Gespräch. Paperpositions
Die über 2.500 Quadratmeter große Haupthalle des ehemaligen Flughafens schafft dabei eine einzigartige Verbindung aus Industriearchitektur und künstlerischer Intimität. Dieser Widerspruch, den der Ort selbst verkörpert – ein Ort des Aufbruchs, der nun Stille und Konzentration beherbergt – passte kaum besser zu den Werken, die hier zu sehen waren. Besonders zu jenen aus dem Osten Europas, wo Geschichte und Gegenwart eben nie weit voneinander entfernt sind. Berlinmagazine
Fazit: Tempelhof gehört auf die Landkarte des europäischen Ostens
Die paper positions berlin 2026 war mehr als eine Kunstmesse. Sie war ein Argument – dafür, dass die Stimmen Osteuropas im internationalen Kunstgespräch nicht nur willkommen sind, sondern dringend gebraucht werden. Zuza Dolega, die Galeria Lotna aus Warschau, die estnische Präsenz: Sie alle haben gezeigt, was passiert, wenn einem fragilen Material wie Papier mutige Hände begegnen.
Wer diese Messe besucht hat, geht anders heraus als er hineingegangen ist. Und das ist das höchste Lob, das man einer Kunstveranstaltung aussprechen kann.
Alle Fotos wurden mit dem neuen Smartphone Motorola Edge 60 Pro gemacht. Weitere Infos zu allen Motorola-Modellen gibt es auf https://www.motorola.com/de/de/homepage












